02. September "So gehe hin und tue desgleichen!"
Schwer prustet sie mit der Rettungsweste auf dem Rücken. Langsam nähert sie sich von hinten dem Podium der Morgenandacht. Da ist sie an Land angekommen. Reißt die West von sich. Schaut sich um in der Weite der neuen Welt. Ein zaghaftes Winken löst das Zurückwirken aus. Das Winken wird stärker, auch die Reaktion der Andachtsbesucherinnen und -besucher. Und dann die Geste einer Umarumung und die Aufforderung, dass dies alle tun mit den Menschen in ihrer Nähe. Ich umarme Menschen, aus Europa, Afrika und Asien, so schnell ist das meist an den Namensschildern nicht abzulesen. "Alle sind willkommen. - Alle meint alle. - Alle meint alle - Alle sind willkommen".
Wie schön dass auch Judy Bailey mit ihrer tollen Musik dazu beiträgt, dass auch diese Andacht mit den vielen Musiken wieder zu einem Ereignis wird.
In der Morgensitzung dann das Thema des "Barmherzigen Samariters" mit Grußworten zunächst. Besonders eindrucksvoll das Grußwort von der muslimischen Secretary General, Prof. Azza Karam, die betonte, dass die Liebe allen Menschen jenseits ihrer Religionszugehörigkeit gilt. Die barmherzigen Samariter dieser Welt kümmern sich um alle, die unter die Räuber fallen. Wir sollten uns nicht von den politischen Establishments benutzen lassen!
Danach auf dem Podium Repräsentanten der ortodoxen Kirche der Ukraine und der ukrainisch orthodoxen Kirche, Beide erzählen vom Leid in ihrem Land, das von dem Krieg tagtäglich ausgeht und bitten um weitere auch humanitäre Hilfen und um Hilfen für den Wiederaufbau nach dem Ende des Krieges.
Dagmar Pruin von Brot für die Welt erläutert am Ende der thematischen Plenarsitzung.
Aber wir müssen im Sinne einer „konstruktiven Diakonie“ auch die Ursachen der Not in den Blick nehmen.
So fragen wir uns: sind die Folgen für die Ärmsten nur unbeabsichtigte Kollateralschäden des Krieges? Ich fürchte: nein. Die Strategen des russischen Krieges dürften sich dieser Folgen sehr wohl bewusst sein und sie gar kalkuliert einsetzen. Damit nehmen sie die ganze Welt in Geiselhaft, was diese Kriegsführung noch perfider macht, als sie ohnehin schon ist.
Allerdings können wir auch in diese Geiselhaft genommen werden, weil wir in den Industrienationen ungerecht wirtschaften.
Wir haben schon seit vielen Jahren eine schwelende Welternährungskrise und die millionenfache Verletzung des Menschenrechts auf Nahrung. Nach anfänglichen Erfolgen im Kampf gegen den Hunger stieg seit 2014 die Zahl der Hungernden wieder an, bis auf nunmehr 828 Millionen Menschen (2021), die unterernährt sind. Die Hungerkrise war schon lange vor Kriegsbeginn eine wenig beachtete Realität in unserer Welt, sie wurde durch die Pandemie verschärft. Daher müssen alle Lösungen auch daran ansetzen, die schon lange wirksamen langfristigen Ursachen der Ernährungskrise zu überwinden. Und deren Treiber sind in erster Linie die Armut, der Klimawandel und gewaltsam ausgetragene Konflikte.
Barmherzigkeit üben und um Gerechtigkeit ringen sind grundlegend für die ökumenische Diakonie und können nicht voneinander getrennt werden. . Um im Bild des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter zu bleiben: wir sind aufgerufen, dem unter die Räuber Gefallenen die Wunden zu verbinden, aber wir müssen auch mit dafür sorgen, dass die Räuber zur Rechenschaft gezogen werden und dass die Straßen wieder sicherer werden.
In der Bibelarbeit ging es um die verschiedenen agierenden Personen im Gleichnis. Wem fühle ich mich am nächsten, dem Priester und Levit, dem unter die Räuber Gefallenen, oder dem Samariter? Spannender Austausch mit drei Niederländern, einem in den USA lebenden orthodoxen Priester aus dem Irak und zwei Menschen aus Kenia.
In dem Nachmittagsplenum erste Gerangel um die Plätze im Zentralkomitee. Dann noch ein Workshop zu anhaltender Gesundheitsfürsorge durch ein Programm der Konferenz der asiatischen Kirchen (CCA).
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| Kardinal Koch im Gespräch mit Herrn Bedford-Strohm |



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